180°:

Lesekreis: Wie geht Befreiung?

Politische Praxis und soziale Bewegungen im Wandel der Zeit

1. Sitzung am 19. Mai. 18 Uhr im Raum der Falken. Göttinger Umwelt- und Naturschutzzentrum. Geiststrasse 2

Ankündigung

Auf die Frage nach der richtigen Praxis gab es in den emanzipatorischen Bewegungen schon viele verschiedene Antworten. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich diese Antworten ebenso wie die Praxisformen dieser Bewegungen fundamental verändert. Aus der Betrachtung dieser verschiedenen Praxisformen und ihrer geschichtlichen Veränderung wollen wir ein besseres Verständnis für die historischen Bedingungen der heutigen Praxis erlangen.

Dabei zeigt sich, das bestimmte Kampfformen, die über lange Jahre erfolgreich die Lebenssituation vieler Menschen verbessert haben, zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise nicht mehr funktionieren. Der Gedanke liegt nahe, dass bestimmte Kämpfe einen sozialen Zeitkern haben, mit dessen Überschreiten das emanzipatorische Potential verloren geht. So konnte über lange Jahre hinweg durch systemimmanente Kämpfe um Arbeit die Lebensbedingungen vieler Menschen in den europäischen und nordamerikanischen Zentren verbessert werden, jedoch fällt es seit den 70er/80er immer schwerer diese Kämpfe erfolgreich zu führen (z.B. Auflösung oder Machtverlust der Gewerkschaften, Reallohnsenkungen, Entsicherung der Arbeitsverhältnisse, etc.).

Die Ziele vieler Kämpfe sind oftmals in die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Entstehungszeit eingebettet. Das ist kein Wunder - schließlich hängen sie nicht zuletzt auch mit den Möglichkeiten zusammen, die sich in einer historischen Epoche aufdrängen. Das sich etwa in den 1970er Jahren soziale Protestformen etablieren, die deutlich stärker als zuvor die Subjektivität der Aktiven ansprechen hängt vermutlich mit der sich zeitgleich durchsetzenden Individualisierung des sozialen Lebens zusammen (z.B. von der lebenslangen Ehe zur Lebensabschnittsbeziehung vom Einberuf zum ‘Lebenslangen Lernen‘).Verändert sich jedoch dieser Rahmen, so kann dies nicht ohne Folgen für die Bewegungen bleiben.

Anknüpfend an diese Überlegungen wollen wir mit euch gemeinsam überlegen welche Aspekte sozialer Bewegungen wir im Rahmen dieses Lesekreises vergleichend analysieren wollen. Wir hoffen, dass uns dies Aufschluss über Probleme, vor denen soziale Bewegungen und linke Institutionen heute stehen, gibt. Wir haben uns bereits erste Gedanken über die Texte gemacht, aber sind offen für eure Ideen.

Wenn euch der Termin nicht passt oder ihr Fragen habt meldet euch bei email-address

Wir freuen uns auf euch!


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